Auf einem Frachtschiff nach Iquitos

Dieser Blogeintrag wird wohl einer meiner Favouriten werden. Ganz einfach weil die 3-tägige Fahrt auf dem Frachtschiff ein einmaliges Erlebnis war. Aber von vorne: Gerade befinden wir uns in Iquitos, die grösste Stadt der Welt die nur mit dem Flugzeug oder dem Boot zu erreichen ist. Also von Landwegen komplett ausgeschlossen. Schon vor meiner Reise habe ich von der Möglichkeit gehört mit einem Frachtschiff diese Strecke zurück zu legen. Das klang mir sehr nach Abenteuer und somit haben wir uns in Tarapoto genauer darüber informiert. Alles was man für diese Reise benötigt sind eine Hängematte und Tupperdosen, da man Essen auf dem Schiff bekommt aber eben seinen eigenen Teller mitbringen muss. Letzteres hatten wir bereits und deswegen fehlten uns lediglich die Hängematten. Diese werden aber sowohl in Tapraoto als auch in Yurimaguas (von hier aus startet das Boot) in allen Farben und Grössen angeboten. Tarapoto ist die nächstgrössere Stadt aber auch in Yurimaguas war überraschend gross. 

In Tarapoto wusste niemand wann das Schiff genau ablegen wird, weswegen wir uns morgens einfach auf die zweistündige Fahrt nach Yurimaguas gemacht haben und uns dort auf die Suche nach Hängematten begeben haben. Wir haben etwa 12 Euro gezahlt, wohingegen wir in Tarpoto das doppelte gezahlt hätten. Da wir nicht wussten, wie das Essen sein wird haben wir uns vorsichtshalber mit ein paar Mangos, Tomaten, Avocados und Brot eingedeckt. Sehr gute Entscheidung denn somit konnten wir den täglichen Reis ein wenig aufpeppen. Auf der Reise ernähre ich mich bis auf ein paar wenige Ausnahmen vegetarisch, weswegen es dann eben nur Reis mit Kartoffeln gab 😉 

 

Nachdem alle Besorgungen erledigt waren, haben wir uns Nachmittags zum Hafen begeben und wurden direkt von einem Touristenguide empfangen, der uns auf das Schiff führte und sogar direkt die Hängematten aufhing. Somit stand unser Lager innerhalb von wenigen Minuten und meine Sorge, ob wir überhaupt das richtige Schiff finden war schnell verflogen. Abgesehen von uns baumelten sechs weitere Touristen in ihren Hängematten. 

Man sagte uns, die Abfahrt wäre am nächsten Tag gegen 15 Uhr nachmittags und wir könnten das Schiff gerne nochmal zum Shoppen oder Essen verlassen. Wir sind an diesem Abend allerdings nicht noch einmal los gezogen sondern haben Sandwiches gegessen und sind früh schlafen gegangen. 

 

Von der Sonne geweckt. So sollte es auch die nächsten Tage werden. Im Laufe des Tages füllte sich das Schiff immer mehr.Sowohl mit Passagieren als auch mit Fracht. Durchgehend haben Männer Mangos, Eier und andere Kisten auf das Boot geschleppt. Es war wirklich beeindruckend was dort geschultert wurde und unter welchen Arbeitsverhältnissen. Teilweise hatte es 30 Grad und einige der Zwiebelsäcke waren 100kg schwer. 

Später stellte sich dann auch heraus, dass wir an diesem Tag den Hafen nicht mehr verlassen würden und sich die Abfahrt auf den nächsten Morgen verschob. Im Gegensatz zu vielen anderen war die Warterei für uns kein Problem. Einige der anderen Touristen hatten allerdings bereits Dschungeltouren oder Flüge in Iquitos gebucht und standen dementsprechend etwas unter Druck. Am Abend sind wir dann auch noch einmal in die Stadt gefahren und sind zwei Schweizern Essen gegangen. 

Letztendlich haben wir dann an unserem 3. Tag auf dem Schiff den Hafen verlassen und es ging endlich Richtung Iquitos. 

Die ersten Stunden lag ich einfach nur in meiner Hängematte und hab gestaunt. Der Amazonas Dschungel ist langsam an uns vorbei gezogen. Was für ein unglaubliche Szenerie oder? Auf dem Schiff ist es letztendlich ziemlich eng geworden. Eng an eng haben sich Hängematten von Touristen und Peruanern gereiht. 

Abends wurde ein Bierchen auf dem oberen Deck genossen und der unfassbar faszinierende Sonnenuntergang bestaunt. Auf dem Schiff besteht über die komplette Zeit eine ganz besondere Stimmung. Touristen und Peruaner sind ungewöhnlich vereint. Die Touristen bespassen die Kinder. Da wurde Fliflaflu, Karten oder einfach nur Verstecken in der Hängematte mit den Kleinsten gespielt. 

 

Immer wieder haben wir an kleinen Dörfern mitten im Dschungel angehalten. Menschen und Fracht haben das Schiff verlassen und neue Fracht wurde aufgeladen. Es hat mich teilweise sehr gereizt, ebenfalls von Bord zu gehen und eine längere Zeit in einem solchen Dorf zu verbringen. Mehr über die Menschen und deren Leben so abseits zu erfahren. 

Eine unglaubliche Erfahrung hatte ich noch am letzten Abend: ein Chilene hat auf dem oberen Deck im Sonnenuntergang eine Yogastunde gegeben. Im letzten Jahr habe ich in Deggendorf mit Yoga angefangen und bin seitdem ziemlich begeistert. Es war wie im Film und absolut magisch. 

 

Und dann war am nächsten Morgen um 3 Uhr auf einmal alles vorbei. Wir sind angekommen und alle haben das Schiff verlassen. Ein komisches Gefühl nachdem man für so lange Zeit auf engstem Raum zusammen war. Ich hatte tolle Gespräche und hoffe einige der anderen Passagiere einmal wieder zu sehen. 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Laura (Montag, 05 Februar 2018 10:39)

    Hört sich alles unglaublich spannend an und die Bilder sind wirklich traumhaft! Genießt die weitere Reise! :)

  • #2

    Ulli (Montag, 05 Februar 2018 12:00)

    WOW! Sieht so wunderschön aus, und diese zusammenlebenden Kulturen in Frieden auf dem Schiff eng an eng finde ich super spannend und beeindruckend... habt die beste und eine segensreiche Zeit da drüben! <3

  • #3

    Evelin (Montag, 26 Februar 2018 09:10)

    Das klingt so wunderschön & ganz toll von dir geschrieben. Da werde ich glatt ein wenig emotional...

  • #4

    Stephan (Sonntag, 30 Dezember 2018 19:19)

    Hätte auch noch zur selben Zeit ein 2. Oder 3. Schiff zur Auswahl gehabt? Gibt es auch Privat ooze für diesen Tripp?
    Bester Reise Gruss info@stiviaufreisen.ch