Spanisch oder doch Chilenisch?

Als ich mich vor über einem Jahr für Chile entschieden habe, war Ziel Nummer eins meine Sprachkenntnisse in Spanisch zu verbessern. Ich hatte zwar gehört, dass es in diesem Land einen starken Dialekt gibt, aber das haben wir in Bayern auch also umso sympathischer. Und die Chilenen selbst lachen darüber nur: Wenn du uns verstehst, dann verstehst du jedes Spanisch auf der ganzen Welt.

Nun bin ich beinahe am Ende meines Auslandssemesters angekommen und frage mich, ob ich mein Ziel erreicht habe. Ziemlich naiv bin ich mit der Erwartung hier angereist, danach quasi perfekt Spanisch sprechen zu können. Ich verstehe zwar kein Wort französisch, aber mein Papa war im Studium in Frankreich und jedes Mal im Urlaub hat er so flüssig, für meine Ohren in perfektem Französisch mit den Leuten dort geredet. Das wollte ich auch.

Soviel vorweg: Ich spreche absolut kein perfektes Spanisch. In letzter Zeit wurde ich von vielen Freunden und Bekannten zuhause gefragt: Aber jetzt kannst du es perfekt oder? Hinter dieser Frage steht reines Interesse und auch ich habe früher Freunde, die längere Zeit im Ausland verbracht haben, die selbe Frage gestellt. Aber es schürt Erwartungen, die eben oftmals nicht erfüllt werden können. 

Vermutlich hat das auch viel damit zu tun, dass ich hier viel Zeit mit Deutschen verbringe. Insgesamt waren wir etwa 20 deutsche Austauschstudenten, da bleibt ein gewisser Kontakt nicht aus. Von vornherein hat man eben etwas gemeinsames! Und damit mein ich nicht nur die gleiche Sprache, sondern auch die gleichen Werte, die Uni läuft gleichermaßen ab, wir feiern alle ähnlich Weihnachten. 

Bei mir blieb es dann aber nicht bei dem ersten Kontakt sondern ich habe wunderbare Leute kennen gelernt und Freundschaften geschlossen, die ich nicht missen möchte. Ich freue mich schon jetzt darauf, gute Freunde in verschiedenen Städten von Deutschland besuchen zu können. 

Ich spreche also trotzdem sehr viel Deutsch. Vermutlich noch mehr Deutsch als Spanisch. 

Aber das ist es mir absolut wert, denn ich verbringe eine wunderbare Zeit hier und das ist mir wichtiger als perfekt Spanisch sprechen zu können. 

Und es ist auch nicht so, als ob ich mich gar nicht verbessert habe. Das wichtigste war zunächst mal, die Scheu zu verlieren. Einfach auf Spanisch losplappern. Aber es bleibt einem ja auch nichts anderes übrig und die Chilenen freuen sich unglaublich über jedes Wort. Und ja ich kann mich verständigen, mehr sogar! Ich schreibe Prüfungen, sogar einen Businessplan auf Spanisch und führe mit den chilenischen Freunden teils Gespräche, die weit über den üblichen Smalltalk hinaus gehen. 

 

Fazit: Ich habe meine Erwartung oder mein Ziel Nummer eins nicht erreicht, aber dafür soviel mehr. Die Erfahrungen, die ich in der Uni, im Alltag oder beim Reisen gemacht habe. Ich hatte bzw. habe eine unglaubliche Zeit, die alle meine vorherigen Erwartungen sogar übertrifft und mir immer in Erinnerung bleiben wird. 
Und das schönste: die Freundschaften, die auch nach der Zeit nicht versiegen werden! Danke Chile <3  

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Kommentare: 1
  • #1

    Nicki (Dienstag, 13 Dezember 2016 20:20)

    sehr schöner Text meine Liebe